Gedanken zu Corona – Umbuchen rettet Existenzen

Ich arbeite schon lange mit einem Reisebüro zusammen, das sowohl mich als auch Gäste in verschiedenen schwierigen Situationen geradezu gerettet hat. Ein gutes Reisebüro ist sehr viel wert, besonders bei Reisen wie den unseren, bei denen es doch ab und an zu unvorhergesehenen Wendungen kommt. Wenn man dann ein Reisebüro hat, dass sich um einen kümmert, als sei man ein Familienangehöriger – dann ist das etwas sehr Wertvolles. Wenn wir wollen, dass es weiterhin solche Reisebüros gibt, dann müssen jetzt die Endkunden, die Reisenden, mithelfen.

Viele, die derzeit Reisen gebucht haben, die nun ausfallen, haben es gerade selbst nicht leicht und sind auf eine Rückzahlung des Reisepreises angewiesen. Das ist verständlich. Und das deutsche Reiserecht ist hier auch auf der Seite des Kunden.

Wer in der glücklichen Lage ist, derzeit nicht auf eine Rückzahlung angewiesen zu sein, kann jetzt ein sehr gutes Werk tun und seine Reise nicht stornieren, sondern umbuchen, einen Gutschein annehmen oder zusammen mit dem Reisebüro eine andere Lösung finden. Eine Lösung, die es dem Reisebüro ermöglicht, die immensen Rückzahlungen nicht jetzt so geballt alleine schultern zu müssen. Bei vielen Reisen gehen die Büros oder Veranstalter in Vorleistung, haben bereits Ausgaben lange vor der Reise. Diese Ausgaben – beispielsweise für Flugtickets – bekommen die Büros nicht mehr zurück, müssen sie aber an ihre Kunden erstatten.

Das führt dazu, dass Reisebüros gerade sehr viel Arbeit haben, aber nur, um horrende Verluste einzufahren. Viele Mitarbeiter in Reisebüros arbeiten gerade viele Stunden, nur um Reisen rückabzuwickeln und eingenommene Zahlungen zu erstatten. Es ist diesen Büros also nicht einmal möglich, aus Kostengründen nun einfach zu pausieren. Denn es gibt sehr viel Arbeit, die allerdings kein Geld bringt, sondern im Gegenteil sehr viel Geld kostet.

Wenn alle Reisenden auf Rückerstattungen bestehen, wird es viele Büros, auch gute, auch Büros, die sehr gut gewirtschaftet haben, nächstes Jahr nicht mehr geben. Sie werden an diesen immensen Belastungen, die durch nichts abgefedert sind, zerschellen. Damit einher geht die Zerstörung einer Vielzahl von Unternehmer-Existenzen und Arbeitsplätzen.

An dieser Stelle möchte ich deutliche Kritik an den Verantwortlichen unserer Regierung üben, die keine andere Regelung ermöglicht haben und nun solche Appelle hier überhaupt erst nötig machen. Die Pflicht zur Rückzahlung ist zu normalen Zeiten eine gute Sache. Sie wurde aber nie für eine Pandemie erdacht, in der diese Pflicht dazu führt, dass auf einen Schlag alle Reisen ausfallen und das Büro alle Kosten allein tragen muss. Und weil sie nie für eine Pandemie gedacht war, sollte sie nun, zur Rettung vieler Arbeitsplätze und mühsam aufgebauter Existenzen, auch nicht gelten. Leider brüstet sich aber Außenminister Heiko Maas in einer Pressekonferenz noch damit, „mit der Verlängerung der internationalen Reisewarnung die kostenlose Stornierung von Reisen“ zu ermöglichen – die Kosten aber legt er elegant den Büros auf, denn kostenlos sind all diese Stornierung eben leider gar nicht. Man hätte hier sicher Lösungen finden können, die die Bedürfnisse aller Beteiligten – unter Anbetracht der Umstände – berücksichtigt hätten. Das ist nicht passiert.

Wenn Sie ein Reisebüro nutzen, bei dem Sie gerne buchen, wenn Ihnen dieses Büro schon wunderbare Urlaube organisiert und Ihnen vielleicht auch unterwegs schon einmal geholfen hat – dann können Sie jetzt etwas zurück geben. Indem Sie nicht auf einer Rückzahlung bestehen. Und am besten für 2021 gleich etwas Neues buchen. Sie glauben nicht, wieviel Freude Sie derzeit mit einer Buchung auslösen können. Und auch Sie können sich dann jetzt schon auf einen neuen Urlaub freuen, planen, einlesen, träumen – und Vorfreude können wir doch alle gerade sehr gut gebrauchen, nicht wahr?

Bleiben Sie gesund!